99 fragt nach: Heiraten Fußballer?

Viele Mid-Dreißiger beim FC Tosters 99 sind seit vielen Jahren in Beziehungen, aber kaum jemand ist verheiratet. Ein Spiegelbild der heutigen Gesellschaft? Warum traut sich kaum mehr jemand zu, sich zu trauen? Ist es die Angst vor dem Scheitern? Vor den rechtlichen Konsequenzen? Dieser Frage gingen 40 Interessierte vergangenen Donnerstag im Pfarrsaal Tosters nach.

Interessante und anregende Antworten bekamen die Kicker und ihrer Freundinnen von den beiden Referenten des Abends, Rechtsanwältin Sabine Gantner-Doshi und Paarberater Albert Feldkircher , beide übrigens selbst seit Jahren glücklich verheiratet. Moderator Stefan Krobath (ORF) versuchte die Brücke zwischen den harten Fakten der Anwältin und den gefühlsbetonten Empfehlungen des Paarberaters zu schlagen.

Klare Regeln

Die auf Eherecht spezialisierte Anwältin gab Einblicke in die Österreichischen Ehegesetze und zog Vergleiche zum Fußball. Auch beim Kicken brauche es klare Regeln, „sonst funktioniert ein Spiel nicht. Genauso ist es in der Ehe und vor allem wenn diese geschieden werden sollte“. Leider müsse man auch immer vom „worst case“ ausgehen und daher sei es besser, „in guten Zeiten so viel wie möglich vorher zu regeln, zum Beispiel mit einem Ehevertrag“.

Nicht romantisch aber notwendig

Auch für den Paarberater Albert Feldkircher - mit seiner Monika schon seit 44 Jahren verheiratet – ist es eine Notwendigkeit, den rechtlichen Rahmen einer Ehe genau abzustecken. Das sei zwar nicht romantisch, aber notwendig. Eine Heirat heute sei im Vergleich zu früher eine „Liebesheirat“. „Vielleicht waren die Ehen früher stabiler, aber ich wage zu bezweifeln, ob sie wirklich glücklicher waren als heute“. Immer im Gespräch bleiben sei ein entscheidender Erfolgsfaktor einer gut funktionierenden Ehe. Feldkircher ortet übrigens eine Trendumkehr. In den letzten Jahren steigt die Zahl der kirchlich geschlossenen Ehen wieder kontinuierlich an.

99er-Hochzeiten?

Ob nun auch innerhalb des FC Tosters99 öfters die Hochzeitsglocken läuten bleibt abzuwarten? Nach den Vorträgen wurde jedenfalls kräftig diskutiert. Auch Hausherr, Pfarrer Werner Wittwer, habe dazugelernt, wenn auch nicht für sich selbst. Stefan Salzmann diskutierte mit dem ehemaligen Asylwerber Lee Afzali aus Afghanistan über die kulturellen Unterschiede von europäischen und asiatischen Hochzeiten. Eine Versicherung für eine Ehe gibt es wohl leider nicht, musste Andreas Walser eingestehen. Dafür sei die stabile Statik in einer Beziehung wohl das Entscheidende, meinte Jungvater Alexander Placek.